26. Januar 2026
Sautierte Perlhuhnbrust mit Tomatenwürfeln und Estragon-Jus, das stand auf dem Menüplan im Spital, aber dem geschwächten Patienten stellte man etwas Extraleichtes hin: ein Omelettchen mit Butterbrot. Wie schwierig kann etwas Extraleichtes sein! Der Patient ‒ eine Hand gelähmt ‒ sagt, er habe es nicht geschafft, die Butter aus dem Alupäckchen zu schälen, das Brot aus dem dreifachen Zellophan zu wickeln oder das Salzbriefchen zu zerreißen. Klingeln und quengeln mochte er nicht. Und weil das Omelettchen dauernd von der Gabel rutschte, aß er einfach sautiertes Nichts mit Frustwürfeln. .
10. Januar 2026
Die Klappmütze ist bedroht! Ach je, liebe Klappmütze, ich habe gedacht, du seist eine Kopfbedeckung - im Mittelalter gab es so was. Aber nein, du bist eine Robbe, gehörst laut Bilanz des WWF zu den Verlierern des Jahres 2025. Wir dürfen doch so ein verrücktes Wesen wie dich nicht verlieren! Hast eine dunkle Gewebe-Mütze auf der Stirn, die du so stark aufblasen kannst, dass dein Kopf doppelt so groß wirkt. Hei, das imponiert. Und dann kannst du noch die Nasenscheidewand durch ein Nasenloch nach außen stülpen und so aufblähen, dass sie aussieht wie ein feuerroter Kinderballon. Hei, damit balzt es sich gut. Liebe Klappmütze, wie brauchen dich weiterhin, wenn die Welt ein Wunder bleiben soll!
8. Januar 2026
»Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.« Wie wunderbar schön und gescheit ist das gesagt. Wie wohl tut die Erkenntnis, dass so wunderbar gescheite Dinge so schön gesagt werden können. Aus dem Jahr 1880 stammt der Satz. Und von Marie von Ebner-Eschenbach. Wer das schon wieder war? Eine österreichische Schriftstellerin, von der man kaum mehr spricht. Dabei ist ihr eine der allerschönsttraurigsten deutschen Erzählungen überhaupt gelungen: »Krambambuli«, die Geschichte eines Hundes.
Sei gegrüßt, du Jetzt! Und danke, dass ich kann.
5. Januar 2026
Sprichwörter behaupten oft einfach drauflos. Etwa: Aller guten Dinge sind drei. Stimmt das? Sind drei Gläser Wein besser als zwei? Brauchen Mann und Frau noch eine/n Dritte/n für die Liebe? Flögen Vögel besser mit drei Flügeln? Aller guten Dinge sind zwei, das scheint mir stimmiger. Der Sinn braucht den Unsinn, das Licht braucht den Schatten, die Linke braucht die Rechte, das Ja braucht das Nein, die Stimme braucht das Echo, das Ein braucht das Aus, das Plus braucht das Minus, der Reim braucht den Schleim. Aber was sollen wir mit drei Nasenlöchern, was sollen wir mit drei Socken …