30. August 2016

Seit gestern Mittag ist mir endgültig klar, dass ich alt bin. Ich hatte für die Enkel aufwendig gekocht, Bohnen aus dem Garten, Nudeln Bolognese, zum Dessert ein süßer Auflauf. Das Essen fand Anklang, der Schulfreund eines Enkels saß mit am Tisch, und es wurde eifrig geredet. Nicht über Surfbords, You-Tubes, Burgers. Nicht über Smartphones, Sneakers, Open-Airs. Über Max Frisch und Homo Faber! Über Faber in Mexiko! Faber auf dem Schiff! Faber im Griechenland! Über Sabeths rötlichen Rosschwanz und den Kamm in der hinteren Tasche ihrer Hose! Über griechische Tragödien und den Ödipus-Komplex! Sie sind mir davongewachsen, dachte ich fassungslos. Ich kam mir ein bisschen verlassen vor, so wie wenn der Bus statt zu halten an einem vorbeifährt. Die kostbaren eigenen Bohnen hab ich dann doch noch gegessen.

Aus »Tage, Tage«