22. Februar 2016

Gar nichts los heute Morgen im Wald, außer den Lichtsprenkeln bewegt sich nichts. Kein Gezwitscher, kein Geflatter. Das Jahr ist noch im Winterschlaf. Aber dann, hört, hört. Dieser langgezogene, fast klagende Ton – was ist das? Und eine Sekunde später und drei Bäume weiter und ein klein bisschen tiefer derselbe Ton. Da unterhalten sich zwei: Herr und Herr Schwarzspecht. Ich höre zu und verstehe nichts. Klar ist nur: Es ist ein wichtiges Gespräch, es dauert und dauert. Zuhause lese ich im Vogelbuch. Der abfallende klagende Ton wird mit Klieeh oder Kliööh umschrieben. Meinetwegen. Didwii oder Günää würde auch hinhauen. Wie auch immer, es handelt sich um den sogenannten Anwesenheitsruf. Bei großer Erregung erfolgt er in Intervallen von wenigen Sekunden. Bin hier. Bin da. Bin hier. Bin da. Lustig wär, erregte Damen im Café Sprüngli an der Bahnhofstrasse würden solche Rufe abgeben. Klieeh. Kliööh. 

Aus »Tage, Tage«