Die Glyzinie am Tessiner Ferienhaus ist weg. Gerardo hat sie gefällt, statt sie nur zurückzuschneiden. Wir wollten doch bloß, dass sie nicht mehr durch die Fensterläden in die Zimmer wächst. Ein Missverständnis. Mi sono sbagliato, sagt er. Mi dispiace molto, sagt er. Weg ist sie, keine duftende hellblaue Blütenwolke mehr im Monat Mai. Gerardo ist bleich. Sie werde nachwachsen, sagt er. Ja, da ist ein kleiner Spross am Strunk, aber es wird Jahre dauern, bis die Glyzinie wieder die alte Größe hat und das Blau vom Himmel holt. Gerardo ist erschreckend bleich. Beim Schlüsselbein hat er einen weißen Verband, warum?  Darunter sei der Port für die Chemo-Infusionen. Wir haben nicht gewusst, dass er krank ist, so krank. Die Glyzinie, so sie wieder wächst, wird uns an Gerardo erinnern.

 
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