»Aus guten Gedichten kann man heraushören, wie die Schädelnähte gesteppt werden«, hat der russische Dichter Osip Mandelstam geschrieben. Das hat mir immer gefallen, obwohl ich es gar nicht verstehe. Ach, und jetzt habe ich gelesen, dass die sowjetischen Literaturgeneräle blind waren für Mandelstams feine lyrische Bilder. Als er beim Schriftstellerverband eine Eingabe für eine Hose und einen Pullover machte, sprach sich Maxim Gorki dagegen aus: »Braucht er nicht.« Er hätte so dringend so manches  gebraucht, um Schädelnähte zu steppen. Aber man ihm nichts gegeben, nur genommen, unter anderem seine Freiheit. 1938 ist er halbverhungert und herzkrank und von Halluzinationen gepeinigt in der Krankenbaracke eines Straflagers gestorben.

 

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