Es ist heiß im Bus, eine Frau steigt ein, hält ein Baby im Arm, schiebt mit der freien Hand einen Rollstuhl. Der Junge im Rollstuhl hat Schläfenlocken, schaut munter, der Kopf des Babys hängt unnatürlich schief. Es sieht mich unfroh an. Die Frau trägt Perücke und blickdichte hautfarbene Strümpfe. Sie ist bleich. Sie tut mir leid. So viel zu tragen. Mein Mitleid, ich weiß, ist wohl eine Anmaßung, die Frau will es nicht. Gut möglich, dass sie Mitleid hat mit mir, der Alten, die ihre Haare und ihre nackten Fußknöchel zur Schau stellt, die kein Baby dabei hat, dem sie das weiche Gesicht streicheln kann, und keinen sichtbaren Glauben mit sich führt, der sich aufspannen lässt gegen die Sünde. Und doch, es ist heiß, und das Mitleid macht mich wütend, wohin soll ich damit. Beim Bahnhof sitzt ein junger Mann auf einer Bank, vornübergeneigt, Gesicht unter langem Haar verborgen, die Unterarme mit weißer Gaze verbunden, da, wo man die Adern aufschneidet, wenn man nicht mehr leben will.

 

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